Die Medien und ihre Rolle in der EZA

Ich schicke voraus: Primär sind die Medien nicht SCHULD an der Situation der EZA-Arbeit. Medien nehmen eine Aufgabe wahr, welche aus der sozialen und auch lokalen Situation heraus entsteht. Zeit wird‘s, die (meist deutschsprachigen) Medien in Mitteleuropa und ihre Rolle in der EZA-Arbeit näher zu beleuchten.

Über 100 Milliarden Euro im Jahr. Dieses Budget steckt man derzeit offiziell in die Entwicklungszusammenarbeit (EZA). Der Output sind Berichte über kleine Teilerfolge. Echte Ursachenforschung oder eine Fehleranalyse darüber, weshalb die Schere zwischen Arm und Reich größer wird, bleiben dagegen aus. Auch die Praxis liefert keinerlei Hinweise, wie diese Kluft schrumpfen könnte.

Tendenziös lautet die Berichterstattung: Es braucht mehr Gelder für die EZA! Wie positioniert sich die EZA-Arbeit dazu? Und welche Rolle spielen die Medien, die derlei Information unhinterfragt verbreiten? – Solchen Fragen geht dieser Blog auf den Grund.

Freie Medien?

Zum Glück leben wir in einer Weltgegend, wo man durchaus behaupten kann: Es gibt freie Medien! Diese Freiheit behält sich allerdings vor, Informationen nach bestimmten Kriterien zu selektieren: Was wird als „richtig“ erachtet? Was ist interessant für die Leserschaft, und was ist gut fürs „Geschäft“? Nicht zu vergessen die gedanklichen Richtlinien des Eigentümers! Das ist jener Spielraum, in dem sich unsere freien Medien bewegen.

Objektiv, ausgewogen, faktenorientiert?

Darf eine Journalistin oder ein Journalist über ein EZA-Projekt berichten, wenn sie/er nicht alle Fakten kennt? Ließe sich das Sprichwort „Unwissenheit schützt nicht vor dem Gesetz/Strafe“ frei interpretieren als „Unwissenheit schützt nicht vor Manipulation“, wenn es um die Berichterstattung zur EZA-Arbeit geht?

Keine Frage: Sowohl die Zeichenanzahl (in Printmedien) als auch zeitliche Ressourcen der Berichterstatter/innen sind begrenzt. Im Rahmen dieser Grenzen soll etwas „rüberkommen“, das obendrein konform ist mit der Gesamtlinie des Mediums.

Spenden im Fluss

Ich erinnere mich noch sehr lebhaft an ein Gespräch mit einem Journalisten. Seine fundamentale Aussage: Wir wollen nichts schreiben, was dazu führen könnte, dass die Spenden zurückgehen. Zugleich schien es nicht weiter zu stören, dass der Fördergeber ADA (Austrian Development Agency) offizielle Gelder an eine Anstalt in Liechtenstein vergibt, was eine Nachfolge der Geldflüsse enorm erschwert. Dazu wird in der Folge auch der Blog „Datenbanken und Transparenz“ entstehen.

Ein zweites Beispiel: 2009 besuchte der Präsident einer großen österreichischen EZA-NGO einige Projekte in Niger und Burkina Faso, begleitet vom Chefredakteur eines so genannten „Aufdecker-Magazins“. Es folgte ein Artikel mit der Message: Die lokalen Strukturen erschweren die Hilfe (Anm.: teils berechtigt argumentiert) und die Dorfältesten/Chefs sind schuld daran, dass es nicht so richtig funktioniert. Kurzum: Die Anderen sind schuld – wir dagegen tun unser Bestes! Kein Wort darüber, dass die besagte NGO nach über 30-jähriger Tätigkeit vor Ort insgesamt keine vorzeigbaren Ergebnisse erwirkt hat. Am Ende gab es noch einen Spendenaufruf. Hier ein Auszug aus dem Artikel:

A: Warum soll der Westen weiter spenden, wenn
doch nur alles den Bach runter und in die Taschen afrikanischer
Politiker geht?
B: Afrika ist kein Fass ohne Boden. Es haben Entwicklungen
stattgefunden, die man vor zehn, 15 Jahren
noch nicht für möglich gehalten hat. Damals wagte
man in Europa noch nicht, die afrikanischen politischen
Eliten zu kritisieren.
A: Warum ist Afrika anders als Asien? Ein Punkt
bitte.
B: Das System der Stammeshäuptlinge und Dorfältesten,
das seit einer Ewigkeit besteht.

Dieser Beitrag war vielleicht gute PR für die NGO. Was aber hat er den Betroffenen, den Armen, in Afrika gebracht?

Pläne zur Weltverbesserung

Aktuell erscheint in einem bekannten Printmedium die Serie „Alles gut? Hier wird über eine bessere Welt nachgedacht“ bzw. „Weltverbessern für Anfänger“. Ein sicher lesenswerter Beitrag, der so allgemein gehalten ist, dass sich niemand daran stören wird. Warum Medien bei EZA-Themen nicht so kritisch nachfragen wie sie es bei politischen oder wirtschaftlichen Unstimmigkeiten tun, bleibt ein Rätsel. Das dazu führt, dass die großen NGOs ihre Arbeitsweise kaum zum Wohle der Betroffenen ändern werden, im Sinne einer echten „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Viele Fragezeichen stehen im Raum. Ob Antworten von den großen EZA-NGOs kommen? – Wir werden sehen.

Zu guter Letzt möchte ich erwähnen, dass es durchaus auch „Vorzeigeprojekte“ gibt, die man allerdings an den Fingern einer Hand abzählen kann. Gäbe es davon hunderte oder gar tausende, würde die Welt sicher anders ausschauen. Grund genug, dass sich der nächste Blog-Beitrag diesen Projekten verschreibt.

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